/ Juli 27, 2021/ ...mit dem Fahrrad, Blog

Heute soll es richtig entspannt werden…

Kaum einen Schritt aus dem Zelt gemacht und schon fliegt die erste Mücke an mein Bein. Caro geht es nicht anders. Wir sind beide verschwitzt, da es im Zelt, trotz Schatten schon wieder ordentlich warm geworden ist. Bevor wir irgendetwas anderes machen, brauchen wir eine Abkühlung. Also schnappen wir uns ein paar Sachen und ab zum Fluss. Nicht nur, dass das Wasser angenehm kühl ist, vor allem haben wir hier Ruhe vor den Mücken.



An dem Tisch mit den Bänken ist noch Schatten, den wir beim Frühstücken genießen. Wir haben beschlossen, heute einen Tag Pause zu machen. Zum Einen, da wir den nach den ganzen nervigen Pannen brauchen können und zum Anderen, dass ich endlich mal wieder schreiben kann. Außerdem ist an der Ausrüstung noch einiges zu machen.

Kaum habe ich nach dem Frühstück angefangen zu schreiben, kommt auch schon ein Auto angerollt. Ein Vater mit seinem Sohn, die wir gestern schon gesehen hatten. Wir kommen ins Gespräch. Die beiden sind regelmäßig hier, um sich abzukühlen. Vor allem in diesem Jahr. Die Hitze hier ist genauso untypisch für die Region wie kaum erträglich. Auch die Mückenplage ist viel schlimmer als gewohnt.

Die beiden sind weg und ich versuche mich noch mal daran, meine Iso-Matte zu flicken. Zwar hab ich kein Loch gefunden, aber an irgendwas muss es ja liegen. Ich nehme sie mit in den Fluss, um sie unter Wasser zu halten und so ein Loch zu finden. Aber Fehlanzeige. Also puste ich sie noch stärker auf und dann finde ich tatsächlich ein Loch. Die aufsteigenden Luftblasen sind winzig, kleiner als der Kopf einer Stecknadel. Ich markiere das Loch und suche weiter. Insgesamt vier Löcher finde ich, eines winziger als das andere. Ich trockne die Matte ab und lege sie in die Sonne, bevor ich die Flicken aufklebe. Jetzt nur noch hoffen, dass alles hält.

Die neu gekaufte Iso-Matte ist tatsächlich undicht und kaum zu gebrauchen. Die Mail an den Laden, in dem wir sie gekauft hatten, ist geschrieben und in den nächsten Tagen geht sie per Post zurück.



Kaum haben wir uns wieder hingesetzt, kommen zwei andere Autos auf dem Parkplatz gerollt. Zwei Frauen mit insgesamt drei Kindern. Sie picknicken hier auf der Wiese direkt an der Treppe zum Fluss, wo die Kinder herumplanschen. Die Stelle ist auch für die kleinen Kinder ideal, da sie quasi gar nicht untergehen können. Sie bleiben den Mittag über bis zum frühen Abend.

Der alte Mann, den wir gestern Abend kennengelernt hatten, kommt jetzt mit seinem Rasenmäher angefahren und hält direkt bei uns. Er freut sich, uns wieder zu sehen und erkundigt sich, wie wir geschlafen haben. Nachdem er uns ausgefragt hat, wo wir herkommen und was genau unser Plan ist, erzählt auch er uns, dass sie alle mit der völlig unnormalen Hitze zu kämpfen haben. Außerdem erzählt er von verschiedenen anderen Reisenden, die mit ihrem Fahrrad hier schon Stopp gemacht haben.

Neben einem interessanten Vater-Sohn-Gespann bleibt mir die Geschichte von einem Mann in Erinnerung der alleine unterwegs war. Er erzählt, dass der Mann nicht geplant hatte, alleine zu Reisen. Er wollte mit seiner Frau auf den Frühruhestand warten und dann mit dem Fahrrad ans Nordkapp radeln. Allerdings kam nicht lange vor dem Ruhestand etwas dazwischen. Seine Frau erkrankte an Krebs. Auf dem Sterbebett musste er ihr versprechen, dass er sich durch ihren Tod nicht vom gemeinsamen Ziel abbringen lässt. Und so ergab es sich, dass er wohl nur wenige Wochen vor uns an diesem traumhaften Plätzchen Rast gemacht hat. Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, er hat sein Ziel erreicht.

Der alte Mann auf dem Rasenmäher unterhält sich noch eine Weile mit uns, bevor er seinen Mäher startet und beginnt, seine Runden zu drehen.

Ich kümmere mich währenddessen um den Multi-Fuel-Kocher. Er hat in den letzten Tagen ein bisschen gezickt. Deshalb zerlege ich ihn jetzt, ersetzt den Brennstoff-Filter, baue die Düse aus und reinige alles.

Der alte Mann hat nur wenige Runden gedreht bis er angehalten hat, um sich zu unterhalten. Man merkt deutlich, dass hier der soziale Treffpunkt des Dorfes ist.

Immer wieder kommen und gehen einzelne Bewohner des Dorfes oder kleine Grüppchen. Es scheinen sich nicht nur alle zu kennen, sondern alle sind auch freundlich zu uns und viele sind an uns und unserer Reise interessiert. So vergeht die Zeit wie im Flug und es wird langsam Abend.

Langsam wird es weniger. Nach und nach gehen immer mehr Leute nach Hause bis wir nach Langem wieder alleine sind. Es vergeht nicht viel Zeit, bis wieder jemand zum Baden kommt. Es ist dieses Mal eine ältere Frau mit Hund. Sie spricht uns an und fragt uns kurz darauf, ob wir auf den Hund aufpassen können während sie baden geht. Natürlich passen wir liebend gerne auf den wahnsinnig süßen Huskywelpen auf. Der Kleine ist ziemlich zutraulich und unglaublich flauschig.



Während Caro am Abend mit dem Kochen anfängt, kümmere ich mich um mein Fahrrad. Die Bremsbeläge müssen gewechselt werden. Also Rad raus, alte Beläge raus, Kolben zurückstellen, neue Beläge rein und alles wieder zusammen. Dummerweise passen die Beläge nicht. Es sind zwar die richtigen für die Bremsanlage und ich kann sie auch einbauen, aber sie klemmen im Bremssattel fest. Im Endeffekt hab ich alles wieder zerlegt und mit meinem Multitool den Lack an den Seiten der Beläge entfernt. So lassen sie sich gut einbauen und klemmen auch nicht mehr.



Nach dem Abendessen kühlen wir uns nochmal ab, bevor es ins Zelt geht. Ich stelle leicht genervt fest, dass dieser Tag gar keine wirkliche Pause für mich war und ich sogar noch ein paar Sachen zu tun hätte, aber die Zeit einfach nicht reicht. So wird aus einem geplanten und vermeintlich erholsamen Pause-Tag ein Alles-mögliche-reparieren-Tag. Naja, gemacht werden muss sowas auf einer Reise auch und es gehört einfach dazu. Zum Anderen haben wir einige sehr nette und interessante Menschen kennen gelernt. Wir haben beide gefühlt, dass wir nur noch ein oder zwei Tage bleiben müssten und dann schon in die winzige Dorfgemeinschaft aufgenommen werden würden und ein Teil von ihr sein könnten. Der Tag bestand aus unzähligen unglaublich herzlichen Kennenlernen und ist so eine tolle Erfahrung.

Ich denke noch einige Male über die Geschichte von dem Mann nach, der die Reise zum Nordkapp nach dem Tod seiner Frau alleine angetreten hat. Es ist unglaublich tragisch und doch herzzerreißend schön. Über den Tod hinaus…
Wir wiegen uns so oft in Sicherheit. In den nächsten Jahren muss ich noch das und das, bevor ich mir dann endlich jenes gönne. Dann hab ich mir das verdient… Sollte man so denken? Und sich darauf verlassen, dass alles läuft wie geplant? Wir wissen alle, dass man davon nicht ausgehen kann. Natürlich braucht man einen groben Plan, eine Richtung, die Frage ist nur: „Wie weit kann ich planen? Was liegt überhaupt in meiner Hand?“

Vielleicht sagen Geschichten wie diese, dass wir Dinge tun, Pläne umsetzen und Träume verwirklichen sollten. Wer immer auf die vermeintliche Sicherheit spielt, läuft Gefahr, viel zu verpassen.

Ich glaube, wir sollten weniger planen, mehr machen, aber niemals aufhören zu träumen.


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