/ Juli 30, 2021/ ...mit dem Fahrrad, Blog, Nordkapp-Tour 2021, Reisen

Wir haben in der Nacht mehr auf als in den Schlafsäcken geschlafen

Trotzdem war die Nachr recht erholsam. Vor allem da ich endlich mal wieder ohne Rückenschmerzen aufgewacht bin. Die Iso-Matte hat die Luft einigermaßen gehalten.

Während Caro anfängt Frühstück zu machen, baue ich unser Nachtlager ab. Natürlich sind wir nicht alleine. Schon am Morgen kommen die Ersten an die Badestelle um sich abzukühlen. Während wir immer wieder in Gespräche verwickelt werden, packen wir unsere Sachen.

Ich bin schon ziemlich lange am hin und her überlegen: Meine Schuhe lösen sich langsam komplett auf und sind schon lange ein Fall für die Tonne. Da es so unglaublich heiß ist, fahren wir beiden eh nur in Sandalen und die Schuhe liegen nur in der Tasche bei dem Ersatzpaar. Allerdings bin ich mir nicht sicher ob es eine gute Idee ist sie jetzt schon zu entsorgen. Auf dem Weg zum Nordkapp wird es sicherlich noch kälter. Wenn wir nass werden hätte ich dann keine trockenen Schuhe mehr. Bevor wir starten entscheide ich dann aus dem Bauch heraus sie zu entsorgen. Hoffentlich wird sich das nicht als Fehler erweisen.

Die letzten Kleinigkeiten sind verpackt, da hören wir aus der Ferne Motorräder. Eines rollt auf den geschotterten Parkplatz. Eine große, voll mit Gepäck bepackte, Gelände-Enduro-Maschiene. Der Fahrer steigt ab und schon rollen vier weitere Männern mit ihren voll bepackten Enduros auf den Parkplatz. Selbstverständlich kommen wir auch ins Gespräch. Reisende auf zwei Rädern eben… Sie sind ebenfalls auf dem Weg Richtung Norden. Allerdings ist ihr Ziel nicht das Nordkapp, sondern das Dreiländereck (Norwegen, Schweden, Finnland). Sie machen an der traumhaften Stelle Rast während wir in unsere heutige Etappe starten. Kaum auf der asphaltierten Straße, biegen wir schon wieder auf eine breite Schotterpiste. Direkt auf der anderen Seite des Flusses geht der Weg weiter. Wir fahren an der Husky-Farm vorbei, die der Frau gehört, die wir am Vortag kennengelernt hatten. Hier wurde auch der unglaublich süße Welpe geboren. Wir brauchen eine Zeit bis wir unseren Rhythmus finden, aber dann rollt es wieder wunderbar durch die schwedische Natur.

Wir sind auf dem Weg nach Kallix. Allerdings hören wir auf halbem Weg wieder Motorräder hinter uns. Sind es die Bekannten von heute morgen? Das erste Bike hupt mehrmals und brettert an uns vorbei. Die Motorräder sind ziemlich laut und wirbeln ordentlich Staub auf, was aber nicht weiter stört. Jeder einzelne winkt uns noch mal beim Vorbeifahren bevor einer nach dem anderen hinter den Biegungen verschwindet.

Wir halten an einen kleinen Supermarkt in einem winzigen Kaff. Da wir bei den letzten Einkäufen immer wieder vor den ausverkauften Regalen von Mückenspray gestanden haben, versuchen wir es jetzt, wo wir können. Dieses Jahr scheint es mit den Mücken wirklich extrem zu sein. Die kleinen Biester sind hier jeden Sommer zu finden, aber in diesem Jahr werden flächendeckend alle Mittel, die gegen sie helfen, knapp.

Ich passe auf die Fahrräder auf, während Caro in dem Laden ihr Glück versucht. Und tatsächlich: Vieles ist zwar ausverkauft, aber sie bekommt verschiedenes, was helfen sollte. Und Eis gibt’s auch noch. Wir genießen den kalten Snack und fahren weiter.




In Kallix angekommen, fangen wir an, die Besorgungen zu erledigen. Als erstes gilt es, die neu gekaufte, aber undichte Iso-Matte zu verschicken. Also Karton kaufen, verpacken und bezahlen. Allerdings muss ich das Paket in einem anderen Laden abgeben. Das ist nicht nur seltsam, sondern auch umständlich, aber im Endeffekt funktioniert alles und ich nehme noch einige Lebensmittel mit. Währenddessen füllt Caro Wasser auf, ich helfe ihr beim Einpacken und kaufe im Anschluss noch einen neuen Ersatzschlauch. Ohne Ersatz weiter zu fahren, könnte unangenehm enden.

Wir rollen von den Läden los, über den Parkplatz unter der Schnellstraße durch bis zum Meer. Hier folgen wir dem Wasser bis wir wieder ins Landesinnere abbiegen. Durch kleine Vororte und Dörfer geht es immer weiter in die Natur. Die Straße hier hat den Namen definitiv nicht verdient. Es sind Bauarbeiten im Gange und auf dem lockeren groben Schotter ist das Fahren nicht nur anstrengend, sondern auch etwas unkoordieniert. Am Ende eines Dorfes ruft uns ein Mann etwas zu. Wir vertehen es nicht ganz. Irgendwie ob wir weit fahren wollen oder müssen….

Wir denken uns nichts dabei und hoffen, dass die Baustelle bald vorbei ist. Naja, Fehlanzeige: Vermutlich wollte der Mann uns sagen, dass es noch eine ganze Weile so weiter geht. Oder besser gesagt: Es wird schlimmer. Der Schotter ist auch hier lose, wird aber immer grober. Teilweise sind die Brocken so groß wie Fäuste. Es ist unglaublich anstrengend, überhaupt die Spur zu halten. Immer wieder springt das Vorderrad zur Seite und wir geben uns größte Mühe, dass wir nicht die Bikes wegwerfen. Allerdings nur mäßig erfolgreich. Im Endeffekt steigen wir beide ungewollt und ziemlich unsanft von unseren Fahrrädern ab. Irgendwann haben wir beide kein Bock mehr und es wird auch das eine oder andere Mal geflucht. Immer wieder schauen wir ob es eine Möglichkein gibt diese „Straße“ zu umfahren, aber Fehlanzeige. Nach knapp zehn Kilometern sehen wir eine Abzweigung und er Weg führt nicht nur in einem großen Bogen zu einer anderen Straße, sondern ist auch noch asphaltiert. Ich hatte bisher schon viele schlechte Wege die unangenehm zum Fahren waren, aber das hier ist die Krönung. Wir biegen auf die kleine asphaltierte Straße ab und schon fährt es sich wie auf Wolken. Es rollt so leicht und wir werden nicht mehr ununterbrochen durchgeschüttelt.

Nach wenigen Kilometern geht’s dann wieder auf eine Schotterpiste, allerdings ist diese ganz gut zu fahren. Einige Male geht’s auf und ab bevor wir von einem Hügel aus einen tollen Blick auf einen kleinen See bekommen. Da unten soll irgendwo unser Nachtlager sein. Also auf geht’s! Wir ballern den Weg abwärts an einigen kleinen privaten Hütten vorbei und kommen unserem Ziel schnell näher. An einer Kreuzung sehen wir sie. Eine schöne alte Hütte mit süßen Vorhängen in den Fenstern.



Wir schauen uns um: Auf beiden Seiten gibt es je eine Eckbank mit einem Tisch und in der Mitte der Hütte steht ein kleiner Ofen. Außerdem ist neben der Tür eine Pinnwand auf der verschiedenste Zettel hängen. Zum Einen werden alle Besucher willkommen geheißen und jeder darf so lange bleiben wie er möchte. Zum Anderen soll es einen Kilometer entfernt einen Brunnen geben. Eine kleine Wegskizze hängt auch an der Pinnwand. Das sieht alles so süß und gemütlich aus, dass wir auf jeden Fall erstmal hier bleiben. Draußen sind Picknickbänke auf denen wir anfangen zu kochen, während wir die Hütte ein mal komplett durchlüften. Durch die Hitze ist es in der Hütte etwas stickig.



Nach dem Essen läuft bei uns nicht mehr viel. Wir sind auch erst recht spät angekommen und sind jetzt ziemlich platt. Ein bisschen umherräumen, Routenplanung, Snacks knabbern und dann schlafen.

Jetzt aber wirklich Pause

Wir wachen relativ gut erholt auf. In erster Linie wahrscheinlich, da die Luft hier noch angenehm kühl ist. Da wir beide einfach keinen Bock haben wieder alles zu packen und ein bisschen Ruhe wollen, beschließen wir erst einmal auszuschlafen und dann den Tag über hier zu bleiben.

Wir stehen spät auf und genießen den Rest vom Vormittag. Zum Mittagessen gibt es Milchreis mit frischem Obst und Schokolade, was wir uns ordentlich schmecken lassen. Wir merken mal wieder, wie unglaublich schnell die Wasservorräte schrumpfen. Vor kaum mehr als 24 Stunden waren es noch etwa 18 Liter, wovon jetzt das meiste schon wieder verbraucht ist. Wir machen uns auf den Weg, um den Brunnen zu suchen. Auf unseren Karten ist er nicht eingezeichnet und die Wegskizze in der Hütte ist, naja, sagen wir mal nicht optimal.

Wir fahren einen sandigen Weg aufwärts bis wir zu einer Anlage mit Holz und Drahtzäunen kommen. Hier werden offensichtlich Rentiere zusammengetrieben. Außerdem kreuzt hier auch noch ein Weg, der für Schneemobile im Winter gedacht ist und ein Wanderweg. Keiner davon war auf der Skitze eingezeichnet. Wir versuchen unser Glück und merken schnell, dass wir falsch sind. Grob nach Gefühl fahren wir einen großen Bogen um das riesige Gatter herum und kommen wieder an der selben Kreuzung raus. Wir starten noch einen Versuch und folgen dem Wanderweg. Er führt unterhalb von dem Gatter entlang. An einer Überdachung bleiben wir stehen. Hier endet eine Art Rutschbahn, nicht für Kinder sondern eher für Lasten. Sie führt von einer kleinen Hütte direkt an dem Gatter den Hang runter bis zu der Überdachung. Wir stehen eine Weile hier und rätseln über den Sinn der Konstruktion.

Nur ein kleines Stück weiter sehen wir am Wegesrand eine alte eiserne Pumpe auf einem massiven betonierten Schacht. Wir haben sie doch noch gefunden, die Quelle. Wir waschen uns den Schweiß ab und füllen dann unsere Wasservorräte auf. Wir genießen es, wieder frisch zu sein und uns wieder richtig sauber zu fühlen. Bei den Temperaturen brauchen wir uns nicht abzutrocknen, das erledigt die Sonne durch das Blätterdach hindurch.

Direkt bei dem Brunnen entdecke ich einen Schädel. Er stammt sehr sicher von einem Rentier. Der Größe nach war es wahrscheinlich ein ausgewachsenes Tier mit einem beeindruckenden Geweih.



Wir nehmen unsere Sachen und machen uns auf den Rückweg. Jetzt wissen wir ja wo wir abbiegen müssen. Der sandige Weg ist zum Fahren wieder eine echte Herausforderung, aber wir schaffen es.

An der Hütte angekommen setze ich mich noch ein bisschen ans Schreiben während Caro anfängt, einen traditionellen schwedischen Blumenkranz zu flechten. So wird es langsam Abend und wir genießen, dass es langsam wieder abkühlt, während wir Abendessen kochen. Wir packen noch grob zusammen, planen die Tour für den nächsten Tag und versuchen zeitig zu schlafen.



Als wir dann endlich am einschlafen sind, bemerken wir eine Mücke in der Hütte, dann zwei, dann drei, immer mehr und wir wissen nicht, wo sie rein kommen. Nach und nach werden es immer mehr und wir werden beim Versuch, sie zu ignorieren und zu schlafen, völlig zerstochen. In Endeffekt bauen wir dann in der Hütte unser Zelt auf, um unsere Ruhe vor den Plagegeistern zu haben. Wir liegen erleichtert im Zelt und schlafen ein.


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