/ Juni 12, 2021/ ...mit dem Fahrrad, Blog, Nordkapp-Tour 2021, Reisen

Die übliche Morgen-Routine und los!


Die übliche Morgen-Routine und los! Mein Weg führt mich erneut durch Wälder und Felder. Alles wie immer, aber irgendwie auch nicht. Obwohl ich immer wieder das gleiche, viel Land- und Forstwirtschaft sehe, ist es jedes Mal anders. Die Unterschiede sind so klein und subjektiv, dass ich sie absolut nicht benennen oder beschreiben könnte, aber übersehen kann man sie auch nicht.

Was man auch nicht übersehen kann, ist der Zustand der Straßen. Als Kind habe ich oft gehört, dass man den Osten Deutschlands an seinen schlechten Straßen erkennt und hab das als Klischee abgetan. Jetzt stelle ich fest, dass an diesem Vorurteil was dran ist. Nicht nur die Straßen verschlechtern sich, auch die Beschilderung der Fernradwege, die bisher akzeptabel bis dürftig war, fehlt jetzt komplett. Zur Krönung lande ich auf einem regionalen Radweg, der aus Sand besteht. Ein Radweg aus Sand! Ich frag mich, welches Genie das für ne gute Idee gehalten hat. Naja, flexibel bleiben und zurück auf die Bundesstraße.



Ich rolle durch viele kleine Dörfer. Die Landschaft ist weitläufig, saftig grün und die Rapsfelder strahlen kräftig gelb. Am Weg steht wieder einer der vielen Wachtürme. Direkt nebenan sind verschiedene Zäune und Mauern aufgebaut. Auf Schildern wird beschrieben, wie die das Band, das Deutschland und Europa geteilt hat, immer wieder verstärkt wurde. Aus einem simplen Holzzaun wurden erst Sperren aus mehreren Reihen Stacheldraht und dann Hohe Wände aus Beton oder speziellem Gitter. So wurde das künstliche Hindernis immer unüberwindbarer. Es ist immer wieder verrückt, die Spuren unserer jüngsten Geschichte zu sehen, die kaum greifbar scheint.



In der Nähe des Arendsees finde ich im Wald eine kleine Schutzhütte. In ihr stehen ein altes Sofa und ein alter Sessel. Beides sieht aus als würde es schon länger hier stehen und läd nicht gerade zum drauf sitzen ein. Mir egal: Ich hab genug Platz zum Schlafen und Kochen, ohne nass zu werden und ohne mein Zelt aufbauen zu müssen.


Neuer Tag neues Ziel:


Direkt nach meinem Start in den Tag fahre ich an traumhaften Blumenwiesen vorbei. Neben Feldern soweit das Auge reicht gibt es auch Weiden, auf denen Kühe gemütlich vor sich hin kauen. Das windige, leicht nieselige Wetter stört mich nicht sonderlich. Auf jeden Fall hält es mich nicht davon ab, den neugierigen Bewohnern der Weiden „Hallöchen“ zu sagen.



Bald führt mich meine Tour durch Schnackenburg wo ich die Elbe auf einer winzigen Fähre überquere. Ich und mein Fahrrad sind die einzigen Passagiere. Am anderen Ufer angekommen verläuft der Weg zwar auch entlang von Feldern, aber mehr und mehr durch kleine Wälder wo der Wind weniger zu spüren ist.



Für heute hab ich ein ziemlich fixes Ziel. Mirco und Alon haben sich gemeldet. Die beiden machen gerade einen Roadtrip mit meinem Auto, das ich Mirco in meiner Abwesenheit anvertraut habe. Der Plan ist, dass wir uns an einem See in der Nähe von Crivitz treffen. Mein Weg dorthin wird allerdings durch ein paar Kanäle ohne Brücke etwas länger als gedacht. Das war mir bei der Routenplanung auf der Karte nicht aufgefallen. Also ein Umweg zur nächsten Brücke, die leider einige Treppen hat. Hier wird mir wieder mal klar, wie verdammt schwer mein Fahrrad zusammen mit meinem ganzen Gepäck ist. Die Wälder, durch die ich Richtung See zum Treffpunkt fahre, sind schön und laden zum Träumen ein.



Dort angekommen suchen wir ein überdachtes Plätzchen, da das Wetter nicht so ganz mitspielt. Mit einem bisschen Improvisation und Geschick haben wir aus dem halb zerfallenen Unterschlupf schnell einen trockenen Wetterschutz gebaut. Den Abend verbringen wir damit, Wikinger-Schach zu spielen, zu essen und die Storys und Erlebnisse der letzten Tage zu erzählen. Ich genieße die Unterhaltung und die Gesellschaft der beiden sehr.



Neuer Tag neues Ziel:

Heute ist der letzte Tag, bevor es an den nächsten Abschnitt meiner Reise geht. Ich verabschiede mich von den Jungs und fahre voller Vorfreude Richtung Rostock.



Während ich in den letzten Tagen von Dorf zu Dorf gerollt bin, ist mir einiges aufgefallen: Zum einen, dass viele Häuser leer oder zum Verkauf stehen und zum anderen, dass es extreme Unterschiede gibt. Ich sehe Häuser, die halb zerfallen sind, teilweise bewohnt, teilweise verlassen. In den Einfahrten stehen schrottreife Autos, die kaum verkehrstauglich wirken. Wenige hundert Meter weiter stehen alte Häuser und Höfe, die aufwändig und offensichtlich mit viel Geld renoviert wurden. Sie sind fast alle umzäunt und in den Einfahrten stehen große und teure Autos die ein Vielfaches von dem kosten, was ich in einem Jahr verdiene. Die umgangssprachliche „Schere zwischen Arm und Reich“ ist hier so deutlich du sehen, dass es förmlich wehtut.

Bitte versteht mich nicht falsch! Es geht mir in keinster Weise darum, etwas oder jemanden schlecht zu reden. Was ich möchte, ist von den Eindrücken zu berichten die mich bewegen und zum Nachdenken anregen. Das hier gehört definitiv dazu.

Gegen Abend suche ich mir einen Unterstand. Er ist nicht perfekt, aber das muss er auch nicht sein. Es ist ausreichend Platz unter dem Dach, um im Trockenen zu kochen. Also was will man mehr?
Dazu kann ich nach dem Essen noch einen schönen Sonnenuntergang genießen und mich dann gemütlich in meinen Schlafsack kuscheln.


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