/ Mai 18, 2021/ ...mit dem Fahrrad, Blog, Nordkapp-Tour 2021, Reisen

Die Nacht war sehr kurz, da ich ziemlich zeitig wach geworden bin

So bleibt mir mehr Zeit für ein entspanntes Frühstück und um meine Wasservorräte aufzufüllen. Außerdem soll das Wetter immer schlechter werden. Also auf geht‘s! Ich genieße noch mal den schönen Platz an der Bucht an und los.

Auf dem Weg weiter Richtung Norden fahre ich unter anderem durch einige Industriegebiete. Es ist gleichzeitig beeindruckend und erschreckend an gefühlt endlosen Firmengeländen, Verladehäfen, rauchenden Schornsteinen und undefinierbaren Werken vorbei zu fahren. Die Dimensionen sind nicht wirklich greifbar. Die Gerüche, denen man begegnet sind teilweise so fremd, dass ich sie gar nicht einordnen kann. Ich kann nicht mal sagen ob ich sie unangenehm finde, so undefinierbar und neu sind sie. Auch die Außmaße des Kernkraftwerks Biblis sind beeindruckend. Ich fange an, mir Gedanken zu machen. Nicht zum ersten Mal über diese Thema, aber diese Eindrücke und Kontraste zwischen dem was die Natur geschaffen hat und was wir geschaffen haben beschäftigen mich. Beides beachtlich auf seine art und Weise. Ich will in keinem Fall urteilen. Ich kann nicht sagen, wie genau man mit all dem umgehen soll. Ich weiß nur: ohne das alles ist unser Leben so wie wir es kennen und genießen nicht möglich. Und mir ist auch bewusst, dass mein Fahrrad und alles was ich dabei habe, irgendwie produziert wurde. Diese Gedanken, welche Verantwortung ich und jeder einzelne trägt, werden mich noch eine Weile begleiten…




SO! Genug von den ernsten Themen!

In Mannheim bin ich falsch abgebogen und stehe plötzlich auf dem Platz des barocken Schlosses der Stadt. Lassen wir die Bilder doch einfach mal wirken:

Je näher ich Darmstadt komme, desto mehr quält mich mein Hintern. Die letzten Tage im Sattel sind deutlich zu spüren und jede Unebenheit tut weh. Der Schlagloch-Slalom ist übrigens ähnlich spaßig wie es klingt.

Ich habe mir schon ein Ziel auf der Karte ausgesucht. Dazu noch ein Supermarkt kurz vor dem Ziel, um alles Notwendige einzukaufen. Der Plan ist, heute noch mal einige Kilometer zu machen und in den leichten Regen zu fahren, den der Wetterbericht vorhergesagt hat. So kann ich am nächsten Tag dann eine entspannte Pause in einer Hütte machen und den Regen-Tag vorbeiziehen lassen.

Tja, wie es mit Plänen nun mal so ist, geht dieser auch nicht so ganz auf, mal eine Baustelle, mal falsch abgebogen und schon wird die Strecke länger. Der Regen wird stärker als gedacht und ich habe mittlerweile die dritte Fliege ins Auge bekommen. DIE DRITTE!!!

Ich halte aber weiter an meinem Plan fest was nicht ideal ist. An der „Hütte“ angekommen fällt mir auf, dass ich beim recherchieren einen Fehler gemacht habe und hier nur ein unbrauchbarer Unterstand ist. Also geht es im Regen bei einbrechender Dunkelheit weiter. Zum Glück hilft mir Caro, meine Freundin, per Telefon schnell eine vernünftige Alternative zu finden, während ich schon weiter durch den Regen fahre. An einem winzigen Pavillon aus Holz stelle ich fest, dass hier schon ein alter Mann, ebenfalls auf Radreise, mit langem weißen Bart, der mich an Gandalf erinnert, sein Nachtlager aufgeschlagen hat. Die Situation in der Dunkelheit wirkt surreal wie in einem Film. Der Mann erweist sich als nett, doch trotzdem ist nicht genug Platz für uns beide. Also wieder weiter. Caro lotst mich in Richtung einer vielversprechenden Schutzhütte während immer wieder Fledermäuse durch den Lichtkegel meiner Lampe fliegen. Das Abenteuer, das ich gesucht habe, habe ich definitiv gefunden und genug für heute.

Ich erschrecke mich! Plötzlich ist da etwas in meinem Scheinwerferlicht! Ein Wildschwein! Nein, gleich vier! Sie sind relativ jung, also ist die Mutter nicht weit. Nicht nur ich bin erschrocken. Es kommt Bewegung in die Rotte! Es grunzt und raschelt im Unterholz! Hin und her. Ich stehe regungslos da. Sie verschwinden links vom Weg im Wald. Ich bleibe einen Moment stehen, bis ich höre, dass sie sich entfernt haben und suche das Weite. Ich spüre meinen Herzschlag in der Brust und das Adrenalin in meinem Blut. Definitiv genug Abenteuer für einen Tag!

Nur wenige Kilometer später finde ich, was ich gesucht habe. Ich rolle unter das Dach der halboffenen Hütte und ziehe mir trockene Sachen an. Nach den 140km will ich nur noch Essen und schlafen! So weit zu fahren war nicht geplant…



Ich habe mich verschätzt, mich auf eine Plan versteift und es übertrieben. Am Regen-Tag wird es übrigens fast gar nicht regnen. Den Tag Pause werde trotzdem machen, da ich ihn echt brauche.

Mal schauen ob ich draus lerne. Also immer flexibel bleiben und nicht zu sehr über Fehler ärgern.

Die Hütte an sich seht ihr übrigens ganz oben.


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