/ Juli 15, 2021/ ...mit dem Fahrrad, Blog

Der erste Weg führt direkt in die Dusche

Das ist es wahrscheinlich, was unsere Ankunft in Umeå, in Caros Studenten-Zimmer, am ehesten beschreibt. Der Abend, an dem wir ankommen, ist bewusst minimalistisch geplant: Ankommen, Zeug abstellen, Duschen, Essen bestellen und Essen. Im Endeffekt packen wir den größten Teil unsere Taschen dann doch gleich aus. Aus „nur schnell das Kissen auspacken“ wird natürlich doch, dass wir „nur schnell“ die Wäsche zum Waschen sortieren und das nasse Zelt aufhängen und die Vorräte verräumen. So kommen wir zwischen unserer Ankunft, dem Duschen, dem Essen bestellen und dem Essen nicht zum Stillstand und es wird spät bis wir ins Bett kommen.

Nach dem Aufstehen verwöhnt mich Caro mit frischen, selbstgemachte Blaubeer-Pfannkuchen. Dazu gibt’s Soja-Vanille-Joghurt, Erdnussbutter, Sirup, Blaubeeren, Smoothie und Kaffee. Das ist zur Abwechslung mal ein richtig ordentliches, fast schon dekadentes Frühstück.



Als nächstes geht´s an die Besorgungen, die wir machen müssen. Vor ein paar Tagen hatten wir die Solarzellen-Problematik. Da beide nicht richtig wollten, haben wir uns dazu entschieden, eine neue nach Umeå zu bestellen. Die, die wir auf die Schnelle besorgt hatten, streikt noch immer und wir geben sie in den nächsten Tagen zurück. Seltsamerweise funktioniert meine mittlerweile wieder. Woran das liegt, weiß ich auch nicht. Wir gehen das Paket mit der Neuen abholen, fahren zur Wohnheimsverwaltung, um die Sauna im Keller zu reservieren, machen ein paar Besorgungen im Baumarkt, kaufen einen Fahrradträger fürs Auto und fahren Lebensmittel einkaufen. So vergeht der Tag schneller als es uns lieb ist.

Heute geht’s Laufen!

Macht das Sinn? Wohl kaum. Und mit Pause oder Erholung hat das auch nichts zu tun. Aber warum mach ich das dann?

Vor etwas mehr als einem Jahr hab ich wieder angefangen, regelmäßig Sport zu machen. Ich hab das Laufen wieder für mich entdeckt. Nach einiger Zeit bin ich im Juni 2020 meinen ersten Trainings-Halbmarathon gelaufen. Das hab ich seither jeden Monat erfolgreich wiederholt. Wofür, weiß ich nicht. Das Laufen natürlich für mich, meine Gesundheit, meine Fitness und, damit ich mich besser fühle. Bei der Herausforderung, jeden Monat einen Halbmarathon zu laufen, geht es, glaube ich, einfach nur um die Herausforderung. Und ich will das weiter durchziehen.

Also geht es nach dem Ausschlafen los. Die Runde um den See kenne ich schon von einem früheren Besuch bei Caro hier in Umeå. Caro begleitet mich mit dem Fahrrad. Da ihre Achillessehne Ärger macht, läuft sie ausnahmsweise nicht mit. Die erste Runde um den See geht gut, dafür zieht sich die zweite ganz schön. Die Belastung vom Laufen ist mittlerweile ein bisschen ungewohnt und am Ende muss ich ein bisschen kämpfen.



Zurück in der Wohnung geh ich kurz duschen und dann geht’s nach einem Snack und einem Abstecher bei den Waschmaschinen ab in die Sauna. Beim Aufguss passiert ein kleiner Unfall. Irgendwie schafft es Caro, dass ihre Hand beim Aufguss über dem Ofen in den extrem heißen Wasserdampf gerät. Den restlichen Abend wird ordentlich gekühlt.

Das große Basteln

Nach dem Frühstück kümmern wir uns um den Fahrradträger für Caros Auto. Ich hab den Lauf vom Vortag übrigens sehr schlecht vertragen. Neben Schmerzen in den Sprunggelenken hab ich beidseitig im Mittelfuß so starke Schmerzen, dass ich kaum gehen kann. Caros Hand sieht wesentlich übler aus als erwartet und wir kommen uns beide ziemlich eingeschränkt vor. Auf jeden Fall mehr als es uns lieb ist.

Wir bauen den Träger zusammen und müssen feststellen, dass er nicht passt. Die Heckklappe von Caroso Opel ist zu groß für den Universal-Fahrradträger, der eigentlich passen sollte. Naja, das altbekannte „eigentlich“… Also gehts zurück zum Laden und wir kaufen einen anderen. Nach einigem Hin und Her sowie ein bisschen Muskelarbeit haben wir es endlich geschafft und die beiden Bikes probehalber auf dem Autodach montiert. Eigentlich sollten sie auf die Heckklappe, damit auf dem Dach mehr Gepäck Platz findet, allerdings müssen wir auch hier flexibel bleiben und improvisieren.



Das Brett für die winzige Mikro-Dachterasse, die neben den Fahrradträgern montiert werden soll, passt zwar, aber wir müssen hier wieder feststellen, dass etwas nicht passt: Die geschraubte Befestigung hat ein Feingewinde, und passt somit nicht zu den Muttern. Da alle passenden Läden mittlerweile zu haben, machen wir für heute Feierabend

Auf unserer Tour durch Baumärkte und Co haben wir auch mein Hinterrad dabei. Es läuft nicht mehr ganz rund und ich will es reparieren lassen. Was mich irritiert ist, dass „der Achter“ im Rad sich auf eine Stelle beschränkt. Nachdem einige Läden uns nicht helfen können, da sie keine Kapazitäten haben, finden wir einen sehr kompetenten Mechaniker. Ihm fällt auch auf, dass der „Achter“ ungewöhnlich aussieht. Es wird klar, dass die Felge wohl eine Macke hat und die Reperatur sich nicht lohnt, da sie teurer wäre als ein neues Rad. Also weiter fahren und hoffen, dass es hält.

Wir sind zurück in der Wohnung und haben Hunger fürs Abendessen. Es gibt selbst gemachte Burger. Neben einer Dusche und dem generellen Komfort einer Wohnung genießen wir es vor allem, eine vernünftige Küche zu haben und uns hier austoben zu können. Die restlichen Vorräte aus der Bude müssen auch weg, womit ich ganz gut klar komme.


Kanelbullar – Zimtschnecken

Ich muss schon sagen, dass wir es uns in Sachen Essen richtig gut gehen lassen. Wobei man während der Tour auch einfach nicht so viel Essen kann, wie man verbrennt. Daher laden wir hier quasi unsere Akkus auf. Neben den genialen Burgern, den Pancakes, selbstgebackenem Brot, bestellten Gerichten und dem ganzen anderen mega leckeren Essen sticht eines noch heraus: Caros selbstgebackene Kanelbullar, schwedische Zimtschnecken. Es gibt eine ganze Auflaufform voll. Zu den unglaublich leckeren, saftig-lockeren und vor allem noch warmen Zimtschnecken gibt´s etwas Soja-Vanille-Joghurt und schwuppdiwupp sind alle weg.

Das Rezept für die schwedischen Zimtschnecken, den Kanelbullar, gibt’s >>>hier<<<


Die restlichen Tage

Als erstes machen wir uns auf den Weg, um die Muttern mit Feingewinde zu besorgen. Dazu muss man eines wissen: Alle Geschäfte haben hier in Schweden tendenziell länger offen als in Deutschland. Fast alle sogar am Sonntag. Auch an Feiertagen sind, bis auf wenige Ausnahmen, alle Geschäfte, wenn auch nur verkürzt, offen. Von dieser Regel gibt es anscheinend nur eine einzige Ausnahme: Die Mittsommer-Feiertage. Und was ist heute? Richtig! Mittsommer! (Der Blog erscheint logischerweise mit ein paar Tagen Verzug). Also klappern wir alle Geschäfte ab, die solche Muttern haben könnten, stehen aber vor verschlossenen Türen oder werden nicht fündig.

Alles in allem haben wir uns die Tage entspannter vorgestellt. Wir sind auch davon ausgegangen, mehr im Bett rumzuliegen und nichts zu tun zu haben. Die Tage füllen sich irgendwie ganz von alleine: Papierkram, der mich aus Deutschland bis hierher verfolgt, Nachweise für Caros Erasmus-Jahr und Kurs-Anerkennungen, Ärger mit der Homepage und Probleme beim Web-Hosting, die Ausrüstung will sauber gemacht und neu gepackt werden und vieles mehr. Ganz nebenbei gibt es da noch den Auszug aus der Wohnung und das Problemchen, dass alles in den Opel passen muss. Und zwar so, dass wir später darin trotz allem noch schlafen und mehrere Tage Roadtrip nach Hause machen können.

Der Auszugstermin rückt näher und wir sind froh, das Wichtigste geschafft zu haben. Am Abend bevor wir wieder starten, packen wir unsere Ausrüstung, Lebensmittel und die letzten Sachen zusammen. Obwohl wir gerne noch einen Tag zum Nichtstun hätten, freuen wir uns, wieder los zu kommen. Nur wir, unsere Räder und die Natur um uns herum.


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