/ Juni 30, 2021/ Blog, Mit dem Fahrrad

Es fällt zwar selten leicht morgens aus dem warmen Schlafsack zu kriechen, aber heute noch schwerer

Es ist schön, nicht alleine aufzuwachen. Wir machen uns Frühstück. Es gibt das gleiche Menü wie für mich alleine, nur etwas mehr. Wir packen zusammen und machen uns auf dem Weg. Man sollte glauben, dass gemeinsam alles effizienter und schneller gepackt und verstaut ist. Naja, das kommt mit der Zeit. Heute steht in erster Linie einkaufen gehen auf dem Plan. Und natürlich die ersten gemeinsamen Kilometer machen. Wir starten gegen Mittag und fahren Richtung Stadtkern von Falun.



Auf dem Weg kommen wir an der alten Kupfer-Mine der Stadt vorbei. Hier ist nahe der Straße ein Campingplatz ins Gelände integriert, was irgendwie daran liegen muss, dass die Mine eine Sehenswürdigkeit ist. Jeder so wie er möchte, außerdem scheint der Platz gut zu laufen. Am Supermarkt angekommen stellen wir fest, dass ein mobiles Impf-Team Impfungen gegen FSME anbietet, da Zecken hier wohl ein ziemliches Problem sind.




Nach dem Einkauf geht’s weiter. Caro hat ein bisschen mit ihrem Bike zu kämpfen. Mit dem ganzen Gepäck ist es an sich schon ungewohnt schwer für sie. Der Großeinkauf und der Vorrat an Wasser, den wir auf die Räder verteilt haben, macht das nicht gerade einfacher. Die Gewöhnung an ein so voll bepacktes Rad hat bei mir auch einige Tage gedauert. Nach dem Weg durch die Stadt geht es mit Blick auf eine Skisprungschanze aufwärts. Wir machen zeitig Pause, um das frisch gekaufte Gebäck zu vernaschen bevor es weiter geht. Caro ist überrascht wie viele Hügel es hier gibt. In ihrer Vorstellung ist Schweden auch deutlich flacher. Eventuell haben wir uns auch einfach die Route mit den meisten Anstiegen rausgesucht. Wer weiß…

Es ist schön, gemeinsam durch das nahezu endlose Grün zu rollen und die Massen von Blüten am Straßenrand zu sehen. An einem der vielen Seen, die wir heute an uns vorbei ziehen lassen, wollen wir unser Nachtlager aufschlagen. Eine Hütte mit Feuerstelle ist das Ergebnis unserer Recherche und das Ziel für heute. Nach einer Brücke biegen wir links ab und merken schnell, dass es eine Abzweigung zu früh war. Nicht das erste Mal und ganz sicher auch nicht das letzte Mal falsch abbiegen auf dieser Reise. Die richtige Abzweigung ist bald gefunden, wir rollen einen geschotterten Pfad entlang und steuern auf die Hütte am See zu.

Durch die Bäume schimmert das Wasser und die Hütte ist zu erkennen. Aber als wir ankommen, stellen wir fest, dass wir nicht alleine hier sind. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern war vor uns hier. Sie sind sehr nett, begrüßen uns freundlich und teilen das Plätzchen gerne mit uns. In der Feuerstelle der Hütte brennt bereits ein kleines Feuer, während der Vater mit den Kids angelt. Es ist reichlich Platz, genug für unsere Zelte, ihre Hängematte und für die spielenden Kids.



Vor dem Essen gehen wir in dem See baden. Er ist wie erwartet kalt, aber relativ klar und der sandige Boden ist angenehm, um zwischen den großen Steinen ins Wasser zu laufen. Auf dem Menü für heute Abend stehen Burger. Die Feuerstelle ist schnell nochmal angeheizt und ein Rost zum Grillen über der Glut improvisiert. Die veganen Patties sind echt gut. Caro kombiniert sie mit Marmelade, Paprika und Zwiebeln. Bei mir kommt auf die Kreation noch eine Scheibe Chili-Halloumi. Mit dem Panorama-Blick über den See und dem Knistern vom Feuer schmecken die Burger gleich noch besser.


Auf zum nächsten See



Wir werden in unserem Zelt langsam wach, drehen uns noch mal um, genießen die kuschelige Wärme im Schlafsack und hören die beiden kleinen Kinder, die schon wieder voller Energie durch die Natur springen. Die Familie ist gerade am Frühstücken, als wir aus dem Zelt krabbeln. Nach unserem Frühstück packen wir auch langsam zusammen. Allerdings sind die beiden mit ihren Kindern etwas früher startklar und brechen kurz vor uns auf. Gut gestärkt und motiviert starten wir in die Tour. Caro ist ein bisschen zu motiviert für mich und macht zu Beginn ordentlich Tempo. Nach einigen Kilometern pendeln wir uns ein. Zum Einen, da ich langsam warm werde, und zum Anderen, da sie das Tempo in den Beinen spürt. Es dauert einfach seine Zeit, bis man ein gemeinsames Tempo gefunden hat und man muss sich einfach aneinander anpassen.



Wir haben viel zum Quatschen und die Zeit vergeht schnell, während wir durch die malerische Landschaft fahren. Auf einer kleinen sandigen Landzunge machen wir eine kurze Pause für Snacks, bevor es weitergeht. Auf einer Wiese neben der Straße sehen wir einige Kraniche, die sich auf Futtersuche befinden. Ihre vereinzelten roten Federn wirken durch die Sonnenstrahlen leuchtend. Im Laufe des Tages finden wir keinen schönen Platz zum Mittag machen, also gibt’s unser Essen erst am Nachmittag an einer ruhigen Wegkreuzung einige Meter von der Straße entfernt.

Am Abend geht’s wieder auf die Suche nach einer Hütte oder einem Schlafplatz. Wir haben mehrere Hütten auf der Karte ausgesucht. Der Weg, der von der Schotterpiste abgeht, ist nur mit größter Mühe und im kleinsten Gang zu bewältigen. Die vom Regen ausgewaschenen Spurrillen machen es auch nicht einfacher. Wir sehen im Vorbeifahren einen Mann, der Angelausrüstung aus seinem Geländewagen läd. Wir biegen kurz danach ab und kommen zu einem See. Die Hütte ist nicht weit entfernt, aber über den moorigen, wurzeligen und verwachsenen Pfad ist sie mit unseren Rädern unerreichbar. Vor allem wegen der verschiedenen Felsen auf dem Weg. Der Mann mit der Angelausrüstung geht an uns vorbei, grüßt uns und betritt den Pfad Richtung Hütte mit Gummistiefeln. Wir fahren also weiter. Die nächste Hütte soll am Ende des sandigen und ausgewaschenen Wegs sein. Nach einigem steilen Auf und Ab stellen wir fest, dass da keine Hütte ist und wir kehren um. Am nächsten See versuchen wir unser Glück erneut. Von einem Parkplatz aus gehen mehrere Pfade ab und Caro kommt mit einer schwedischen Mutter ins Gespräch. Sie kennt schöne Hütten, aber keine, die mit Fahrrädern erreichbar ist. Nachdem wir noch einen belegten Windschutz entdeckt haben, fahren wir zu einem kleinen Weg, der an einem See endet.



Hier finden wir nicht nur einen Windschutz, sondern auch einen Steg, der über das Wasser in den See ragt. Der See ist traumhaft schön und umringt von Wald. Kleine Grüppchen, die an anderen Windschützen in Sichtweite sind, machen sich gegen Abend auf den Weg und so wird es ruhiger. Wir waschen uns in dem See, auch wenn wir nicht großartig schwimmen gehen. Nach dem Essen entdeckt Caro glibberige schwarze Würmer in den Gräsern am Ufer. Es sind Blutegel. Sie tummeln sich im See und ich bin im Nachhinein froh, dass ich mein Bad aufs Nötigste beschränkt hab.



Wir haben das Zelt auf dem Steg aufgebaut, da das die am ehesten ebene Stelle ist, die wir gefunden haben. Er ist breit genug um neben dem Zelt unser Zeug auszubreiten, zu kochen und sogar die Taschen finden auf den Bänken Platz. Beim Einschlafen hören wir das Schwappen der winzigen Wellen an den Steg-Pfosten und das Zwitschern der letzten Vögel, die durch die späte Dämmerung teilweise noch in der Nacht wach sind.


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