/ Juni 7, 2021/ Blog, Mit dem Fahrrad, Nordkapp-Tour 2021, Reisen

Und weiter geht’s auf der Grenze zu zwischen Ost und West

Vergangene Nacht habe ich sehr gut geschlafen. Nicht nur, dass ich zeitig in meinen Schlafsack gekrochen bin, sondern auch, dass ich in der relativ dunklen Hütte etwas später von der Sonne geweckt werde. Der Weg vor mir verschont mich vor großen Bergen, allerdings hat er reichlich Hügel. Die saftigen Felder schmiegen sich sanft in die Landschaft und sorgen dafür, dass ich die Tour genießen kann. Die Regenhose habe ich nach wie vor an, allerdings brauche ich sie heute wenig. Außer einem heftigen Platzregen am Mittag bleibe ich bis auf ein bisschen Nieseln trocken.



Nachmittags passiere ich entlang der ehemaligen Grenze durch Europa einige Wachanlagen. Es wird hier gezeigt, wie die Grenzanlagen aufgebaut waren. Angefangen mit den Zäunen, über Wachtürme und kleine Beobachtungsbunker bis hin zu großen Zwingern für Hunde. An einem kleinen Museum ist sogar ein Helikopter ausgestellt, der damals im Einsatz war. Der Aufwand, der betrieben wurde, um das Land und den Kontinent zu spalten, muss wohl immens gewesen sein.



Es ist ziemlich angenehm und beachtlich, dass der Fern-Radweg genau an den Stellen verläuft, wo die kleinen Berge und Hügel Einschnitte oder Sättel haben. So schlängelt sich meine Route durchs Land und ich genieße die Landschaft. Nach einem Mittagessen mit Aussicht geht es tendenziell mehr abwärts und ich komme meinem Nachtlager näher.



Geschafft! Die Tour war ordentlich und ich bin gespannt was mich morgen erwartet. Während ich an einer winzigen Hütte mein Lager aufschlage, genieße ich den Ausblick. Die große Portion Nudeln mit Pesto tut den Rest, dass ich ins Bett falle. Noch ein wenig mit der Liebsten telefonieren und Schlafen…


Neuer Tag neue Herausforderung:


Heute wird der Harz in Angriff genommen! Ich werfe einen letzten Blick über das Panorama vor mir und steige voll motiviert aufs Rad. Heute plane ich, es langsam anzugehen, also etwas mehr als sonst. Die Höhenmeter in Verbindung mit dem schweren Rad sind nicht zu unterschätzen. Also rein in den Spaß!



Der erste Anstieg führt mich nach Hohegeiß. Von hier aus geht es immer wieder auf und ab. Auch hier sind die Spuren des Eisernen Vorhangs unübersehbar. Auf den gelochten Betonplatten lässt es sich wesentlich schlechter fahren als es aussieht. Die Schlitze sind breit genug, dass der Reifen eintaucht und lang genug, dass es einen ordentlichen Schlag gibt. Das Auf und Ab wiederholt sich einige Male. Und immer wieder sind Grenztürme zu sehen. Mein Weg führt mich über saftige Wiesen, durch dichte Wälder, aber auch ziemlich kahle Stellen begegnen mir. An der gefühlt höchsten Stelle sind wenig gesunde Bäume zu sehen. Große Flächen sind gerodet worden. Riesige Stapel aus Baumstämmen säumen den Weg. Die Bäume, die noch stehen, sehen alles andere als gesund aus und lösen in mir die Frage aus, ob man hier die Auswirkungen der Klima-Krise sieht.



Nachdem ich den Großteil des Tages Höhenmeter gemacht hab, geht’s jetzt an den richtig spaßigen Teil. Auf‘s große Kettenblatt schalten und ab geht’s die Schotter-Piste runter! Die Abfahrt unterbreche ich immer wieder, um meine Bremsen abkühlen zu lassen. Mein Gepäck schiebt deutlich und ich spüre, wie die Bremsen arbeiten müssen. Die Bremsscheiben strahlen so viel Hitze ab, dass man sie in einigen Zentimetern Entfernung spürt.



Es ist verrückt. Auf dem Weg nach unten ist es so als ob ich in eine andere grünere Welt eintauche. Vorbei an Quellen und begleitet von Bächen, die immer größer werden, tauche ich in einen Wald ein, der immer dichter und saftiger wird. Kurz bevor ich den Wald verlasse und in der Ebene ankomme, fülle ich an einer Quelle mein Wasser auf. Jetzt mache mich auf den Weg, Lebensmittel zu kaufen bevor ich mir ein Nachtlager suche. Die letzten Kilometer des Tages fahre ich durch einen wunderschön saftigen Buchenwald, in den die Abendsonne ihre letzten Strahlen wirft. Erst bemerke ich den Geruch und dann sehe ich einen gigantischen Teppich aus blühendem Bärlauch. Über mehrere Kilometer ist der Wald von dem Duft erfüllt und wandelt sich nach und nach zu einem Birkenwald. Zur Krönung des Tages habe ich bei der dritten eingezeichneten Schutzhütte richtig Glück. Es ist nicht nur eine Schutzhütte, sondern sogar etwas richtig Besonderes: Ein Tipi komplett aus Holz! Hier bleibe ich erstmal!

Übrigens: Alleine bei meiner Tages-Tour über den Harz habe ich 1224 Höhenmeter überwunden. In den letzten 3 Tagen waren es sogar insgesamt über 3100 Höhenmeter. Ich bin immer wieder erstaunt was der menschliche Körper so leisten kann, vor allem wenn man das zusätzliche Gewicht bedenkt.


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